Bevor wir uns der Fotografie an sich widmen, ein Wort zum Schutz der Libellen und deren Lebensraum:

Libellen gehören zu den besonders geschützten Tierarten in Deutschland.

Jeder, der Libellen beobachten oder fotografieren möchte, sollte sich dies immer vor Augen führen! Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, den Tieren und deren Lebensraum meinen größtmöglichen Respekt entgegenzubringen und diese stets zu schützen.

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Ich verwende folgendes Equipment:

Kamera:
Canon EOS 20D und 5D
mit Batteriegriff BG-E2 und BG-E4
Objektive:
Sigma IF 180mm HSM APO Macro / F 3,5
Canon EF 100-400mm L IS USM / F 4,5 - 5,6

Zubehör:
2-fach Telekonverter von Soligor

Manfrotto 055 PROB - 3-Bein-Stativ
Manfrotto 322 RC2 Kugelkopf mit Action-Grip

Ganz im Gegensatz zur Beschreibung in der Fachliteratur verzichte ich GÄNZLICH auf den Einsatz eines Blitzgerätes, da ich bis heute nicht sicher bin, ob der Blitz den überaus empfindlichen Augen der Libellen schadet. Manche sagen es sei nicht bewiesen, dass das Blitzlicht schaden würde und fotografieren mit Blitz. Ich sage, es ist NOCH NICHT bewiesen, dass es NICHT schadet - und deshalb bleibt der Blitz im Fotorucksack! Unabhängig davon mag ich natürliches Licht. Das Blitzen würde zu einem künstlich wirkenden, völlig schwarzen Hintergrund führen.

Soviel zur Ausrüstung. Nicht minder wichtig: Die Aufnahmetechnik. Ziel meiner Libellenfotografie (abgesehen von reinen Dokumentationsfotos) soll ein ansprechendes Gesamtwerk sein. Dazu gehört für mich, dass die Libellen komplett scharf abgebildet werden, möglichst vom Hintergrund losgelöst sind und der Bildaufbau das Auge anspricht.

Das Wichtigste für ein komplett scharfes Darstellen der Libelle ist neben dem Verwenden eines Stativs, eine 100%ig parallele Objektivausrichtung zum Motiv. Nur so können Sie mit möglichst offener Blende (ich verwende in der Regel zwischen 5,6 und 9,5) den Hintergrund in Unschärfe verschwinden lassen und müssen dabei aber nicht auf die nötige durchgängige Schärfe verzichten. Oft reicht es aus, wenn sich hinter der Libelle in einer Entfernung von ca. 30 - 50 cm nichts befindet, dass Sie die schönen Tierchen völlig freistellen können. Siehe hier: Gemeine Becherjungfer, Männchen (Aufnahmedaten: Zeit 1/6, Blende 9, ISO 200, Brennweite 180mm). Hierbei setze ich natürlich voraus, dass mit einem Makro-Objektiv fotografiert wird, das eine 1:1-Darstellung abbilden kann. Verwendet man ein herkömmliches Teleobjektiv, ist das Freistellen vom Hintergrund natürlich schwieriger, da man aufgrund der hohen Naheinstellgrenze in der Regel deutlich weiter vom Motiv entfernt ist.

Mein Verhalten den Libellen gegenüber, wenn ich ihnen ein ruhiges Sitzen abverlangen will: Einmal ein lohnenswertes Libellen-Motiv entdeckt, pirsche ich mich langsam und möglichst geduckt (ohne hektische und ausschweifende Bewegungen zu machen) an sie heran. Je nach Seltenheit der Luftakrobaten mache ich aus sicherer Distanz zumindest ein Dokumentationsfoto, das keinen besonderen Ansprüchen genügt. Sollte sich die Libelle bis dahin noch nicht entfernt haben, wage ich mich in kleinen Schritten immer näher an sie heran, bis ich eine formatfüllende Aufnahme machen kann. Wie gesagt, ganz wichtig: Machen Sie keine hektischen und ausladenden Bewegungen! Meine Hände bewegen sich in Zeitlupe, wenn ich zum Kugelkopf oder zum Einstellring des Objektives greife!

Bei Flugaufnahmen geht man selbstverständlich etwas anders vor: Mit einem Stativ kommt man hier nicht weit, da das Motiv ja nicht stillsitzt, sondern sich bewegt (wer hätt's gedacht!) - also Freihand-Aufnahmen machen. Die meisten Großlibellen haben ein Revierverhalten, das sie bestimmte Punkte immer wieder anfliegen lässt. Suchen Sie sich ein schönes Plätzchen aus, auf dem Sie bequem und entspannt sitzen können. Achten Sie darauf die Sonne im Rücken zu haben und überprüfen Sie, dass der Wendepunkt im Revier der Libelle nicht innerhalb der Naheinstellgrenze Ihres Objektives liegt. Nun weicht mein Aufnahmeverfahren von dem anderer Libellenfotografen ab: Ich lasse den Autofokus ausgeschalten und versuche das Motiv mit einer manuellen Fokussierung scharf zu bekommen. Vor dem Anflug der Libelle fokussiere ich schon einmal grob vor, so dass ich später Zeit spare. Sobald unser Motiv also näher kommt, draufhalten, möglich schnell scharf stellen und ABDRÜCKEN nicht vergessen! ;-) Für eine schöne Flügelstudie empfehle ich Verschlusszeiten von 1/350 - max. 1/750 Sekunde, da man so eine gewisse Bewegung und Dynamik, aber trotzdem noch ein wenig Flügelgeäder erkennen kann. Siehe hier: Blaugrüne Mosaikjungfer, Männchen (Aufnahmedaten: Zeit 1/750, Blende 8, ISO 400, Brennweite: 400mm).

Bildaufnahmeformat und Bildbearbeitung: Wer nicht im RAW-Format fotografiert ist selbst schuld, sofern das die Kamera unterstützt. Zugegeben: Das RAW-Format benötigt etwa 2,5 - 3 Mal mehr Speicherplatz als das JPG-Format, aber die nachträglichen Bearbeitungsmöglichkeiten sind so enorm besser, dass ich lieber ein paar Euros mehr in eine zweite oder dritte Speicherkarte investiere. Zur Bildbearbeitung reicht meist das der Kamera beiliegende "Photoshop Elements 2.0" aus.

So, jetzt sollte auch Ihren Libellenfotos nicht mehr viel im Wege stehen - viel Spaß beim Fotoshooting mit Ihren fliegenden Models! :-)